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Christina saß schon eine Stunde am Fenster und drückte sich an der Scheibe die Nase platt. Es schneite dicke weiße Flocken und das Fensterglas lief jedes Mal an, wenn sie dagegen hauchte. Mit ihren kleinen Fingern malte sie dann eine Blume, ein Herz oder etwas anderes, was ein fünfjähriges Mädchen malen kann, an die Scheibe. Dann drückte sie wieder ihre Nase platt. Aber der Nikolaus war einfach nicht zu sehen. Überall leuchteten in der Dunkelheit Lichter. Die Häuser waren an diesem Dezemberabend schon alle prächtig geschmückt und das Funkeln der Dekorationen sah aus wie ein wunderschöner Sternenhimmel. “Mami”, “rief Christina in die Küche, “wann kommt der Nikolaus?”
“Aber Schätzchen, heute ist doch erst der 2. Dezember, da musst Du schon noch ein bisschen warten”, antwortete die Mutter.
“Den Nikolaus gibt’s doch gar nicht Du dumme Pute”. Christinas Bruder Franz, war der Schlaumeier, der jetzt ins Wohnzimmer kam und sich einmischte. Er war schon fast acht, wie er immer sagte und ihm konnte niemand mehr etwas vormachen.
“Selber dumme Pute”. Christina war ganz schön sauer.
“Mami, stimmt das, gibt es den Nikolaus wirklich nicht?”.
“Natürlich gibt es ihn, Du siehst ihn doch jedes Jahr, wenn er mit seinem dicken Buch kommt”.
“Ha, letztes Jahr war es Onkel Heinz, der sich hinter dem Bart versteckt hatte”. Triumphierend die Hände in die Hüften gestützt, stand Franz im Wohnzimmer.
Traurig schaute Christina ihre Mutter an: “Das stimmt Mami, letztes Jahr war es Onkel Heinz”.
“Ja sicher”, antwortete die Mutter, aber ich habe Euch doch damals schon erklärt, wie das passiert ist. Kommt setzt Euch, ich erzähle die Geschichte noch einmal, warum letztes Jahr Onkel Heinz die Arbeit für den Nikolaus machen musste”.
Freudig Christina, etwas widerwillig Franz, setzten sich die Kinder auf das Sofa. Als Mutter mit dem Tablett Kinderpunsch und Plätzchen wieder aus der Küche kam, war Franz schon etwas gnädiger gestimmt und hörte mit prall gefüllten Backen zu, wie seine Mama erzählte.
“Also das war so: Als der Nikolaus im vergangenen Jahr seine Sachen vorbereitete, die er den Kindern bringen wollte, rief er seine Kollegen zusammen. Schließlich gibt es nur einen einzigen echten Nikolaus und der kann nicht überall gleichzeitig sein. Also treffen sich die Vertreter vom Nikolaus Anfang Dezember und besprechen, wer denn nun zu welchem Kind geht. Da wird jedes Jahr ein neuer Plan gemacht, denn schließlich besucht der Nikolaus jedes Kind zumindest einmal im Leben höchstpersönlich.
Während also die Nikoläuse über ihren Plänen brüten, haben die Nikolaus-Helferlinge noch jede Menge Arbeit. Die Nikolausschlitten müssen auf Hochglanz poliert und die vielen Rentiere gefüttert werden. Im Spielzeughaus werden die Spielsachen zusammengebastelt und in der Nikolausbäckerei werden Lebkuchen, Plätzchen und ganz viel Schokolade vorbereitet.
Und weil die Nikoläuse so viel Arbeit vor sich haben, werden sie bei ihrer Besprechung schon einmal belohnt. Aus der Bäckerei kommen nämlich ein paar Helferlinge und bringen große Teller mit leckeren Süßigkeiten, mit Nüssen und mit Orangen. Das lassen sich die Nikoläuse immer besonders gut schmecken. Einer von ihnen, ein kugelrunder Nikolaus mampfte und mampfte und konnte gar nicht genug bekommen. Da sagten die Anderen schon: “Esse nicht so viel…, Du verdirbst Dir Deinen Magen …, lass den Anderen doch auch noch etwas”. Doch der Nikolaus wollte einfach nicht hören. Er hatte ungefähr 17 Lebkuchen, 35 Plätzchen, 22 Nüsse und drei Orangen gegessen und dann geschah es: Er bekam ganz furchtbar Bauchweh und musste sich gleich ins Bett legen. Da half kein Kräutertee aus der Nikolausküche, keine Wärmflasche und keine guten Worte. Und auch der Doktor konnte da nichts machen. “Das dauert ungefähr drei Tage, bis das Bauchweh wieder weg ist”, hatte er gesagt.
Das war aber jetzt eine schlimme Klemme, in der die Nikoläuse saßen. Wer sollte denn die Kinder beschenken, die auf der Liste des kranken Nikolauses standen? Die Nikoläuse steckten ihre Köpfe zusammen und redeten alle wild durcheinander. Doch ihnen wollte einfach keine Lösung einfallen. Da sagte der echte Nikolaus: “Ich weiß was wir machen, ich kenne da jemanden, Onkel Heinz heißt der. Der ist ein ganz netter Kerl, ich habe ihn schon so manches Mal beobachtet, weil ich ja auch immer auf der Suche nach neuen Nikolaus-Helfern bin. Der ist gerade richtig. Den frage ich, ob er uns helfen kann”. Die anderen Nikoläuse waren froh und erleichtert. Sie riefen: “Bravo, das ist ‘mal eine gute Idee, toll, genau so machen wir es”. Tja und so kam es eben dann, dass Onkel Heinz dem Nikolaus geholfen hat”.
Christina war begeistert, dass es den Nikolaus doch gab. Aber Franz rümpfte die Nase. “Das glaube ich nicht”, schimpfte er.
“Schau mal da”, rief Christina in diesem Moment, die gerade zum Fenster raus geschaut hatte. Mama, Franz und Christina konnte ihren Augen kaum trauen. Draußen flog ein Nikolaus in seinem Wagen am Fenster vorbei. Sechs Rentiere zogen den Schlitten. “Wahrscheinlich”, sagte die Mutter, “ist er gerade auf dem Weg zur großen Nikolausbesprechung”.
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